Du warst so zart, als du geboren.
Nur eine Hand voll Menschenkind.
Wir hätten dich ja fast verloren,
warst wie ein Hauch im Sommerwind.
 
So winzigkleine Finger, Zehen.
Du schautest nicht zu uns empor.
Von Haaren war noch nichts zu sehen,
leis drang Dein Weinen uns ans Ohr.
 
Wie du da lagst an vielen Drähten,
zerriss es uns beinah das Herz.
Dein Leben hing nur an Geräten,
dich so zu sehen, bedeutete Schmerz.
 
Kein Tag verging, ohne die Fragen
zu stellen, wie wirds weiter gehen?
Man sollte uns die Wahrheit sagen,
ganz gleich, was würde auch  geschehn.
 
Wir liebten dich doch, unser Kind,
und wollten her dich nie mehr geben,
Solltest einst fühlen Sonne, Wind,
wir wünschten so, Du bliebst am Leben.
 
Es zog die Zeit an uns vorüber,
wir hofften tage- wochenlang.
Der Mut verließ uns immer wieder,
wir lebten oft in Angst und Bang.
 
 Dein Kampf war groß ums überleben,
doch hast am Ende Du gesiegt.
Und dennoch hat es viel gegeben,
was unser Leben oft betrübt.
 
Es folgten Jahre voller Sorgen,
 zu Ärzten gingen wir gefasst.
Wir fragten oft: was bringt das Morgen,
doch warst Du niemals eine Last.
 
Gar viele Sommer sind vergangen,
vorüber ist die schwere Zeit.
Vorüber auch all Angst und Bangen,
die Zukunft steht für dich bereit.
 
 
 
 

 


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